Di

02

Aug

2011

Hausbesuch bei Jimdo - Interview mit Matthias Henze

In der vergangenen Woche habe ich dem Homepage-Baukasten-Anbieter Jimdo einen Hausbesuch abgestattet und ein Interview mit Matthias - einem der Gründer - geführt. 

Jimdo sitzt in einem alten Fabrikgebäude im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld. Firmenschild und Klingelschild sind recht unscheinbar. Nachdem ich mit dem Aufzug in den 5. Stock gefahren bin, wird mir die Tür nicht etwa von einer Empfangsdame geöffnet, sondern von Fridtjof, einem der Gründer. Mich erwartet auch kein auf Hochglanz poliertes Design-Büro sondern eine zweckmäßig aber gemütlich eingerichtete Fabriketage mit einem jungen, sympathischen Team. Ganz so, wie ich es mir vorgestellt habe. Von Fridtjof werde ich herzlich empfangen. Er führt mich in das Großraumbüro wo wir auf Matthias und Svenja treffen. Matthias ist einer der Gründer von Jimdo und mit ihm habe ich den Interview-Termin. Svenja ist bei Jimdo für die Unternehmenskommunikation zuständig. Auch von diesen beiden werde ich herzlich empfangen. Alle tragen Jeans und T-Shirt. Man fühlt sich gleich wie zuhause. -Willkommen in der Familie Jimdo.

 

Nach einem kurzen Rundgang durch die Räume auf der vierten und fünften Etage setzen wir uns in einen Konferenzraum. Das Interview habe ich mit Matthias und Svenja geführt.

Ich könnte mir vorstellen, dass die meisten Jimdo-User euch als internationales Unternehmen kennen. Aber ihr habt auch klein angefangen. Wann war das und vor allem wie war das?

Jimdo ist das zweite Unternehmen, das wir gegründet haben, eine Ausgründung aus unserem ersten Unternehmen. Das erste Unternehmen, die NorthClick GmbH, haben wir Anfang 2004 gegründet. Da haben meine beiden Mitbegründer Christian und Fridtjof das System entwickelt, das jetzt auch die Grundlage für Jimdo ist. Ein CMS System, das wir hauptsächlich an kleine und mittelständische Unternehmen in Deutschland vertrieben haben. Das gab es auch damals schon auf Mietbasis. Wir haben auch individuelle Leistungen drumherum gemacht z.B. im Bereich Design. Das erste Unternehmen war sozusagen eine Webagentur für kleine und mittelständische Unternehmen. Wir haben nur Aufträge gemacht, wo wir unser System auch verwenden konnten. Mit der Zeit kamen immer mehr Freunde auf uns zu, die unser CMS-System dazu benutzt haben, ihre persönliche Webseite zu bauen.

Dann haben wir uns ein bisschen umgeschaut und festgestellt, dass es auch international nichts Vergleichbares gibt. Da kam der Entschluss Jimdo zu gründen. Uns war eigentlich von Anfang an klar, dass wir mit der Freemium- Strategie rangehen; dass es also eine kostenlose Basisversion gibt, mit der Möglichkeit abzugraden.

 

Northclick haben wir also zu dritt gegründet. Christian und Fridtjof haben das System entwickelt und ich habe den Business-Teil übernommen. Wir haben ein Jahr zusammen bei Fridtjof zuhause auf dem alten Bauernhof gelebt und Jimdo von da aus aufgebaut. Einfach um Kosten zu sparen. Erst als der Umsatz reichte und wir einen Businessplan- Wettbewerb gewonnen haben, der uns ein bisschen Geld gebracht hat, sind wir nach Hamburg umgezogen. Jimdo selber haben wir Anfang 2007 gegründet. Wir haben von Anfang an guten Zulauf bekommen. Die Leute waren überrascht - und sind sie immer noch - wie schnell und einfach sie sich eine gut aussehende Webseite bauen können. Das ist auch heute noch der stärkste Nutzungspfad: Die User sind begeistert, wie einfach es geht und tragen das dann weiter. Wir haben Jimdo dann sehr schnell internationalisiert und es gibt es mittlerweile in elf Sprachen.

 

Wie seid ihr auf den Namen Jimdo gekommen? Ist das ein Fantasiename oder steckt was dahinter?

Jimdo ist eigentlich ein Fantasiename. Es war uns wichtig, dass er kurz ist und auch in vielen Sprachen funktioniert. Ganz nett ist, dass er aus „Jim“ und „do“ besteht und wir damit einen Bezug zum Amerikanischen haben.

Wieviele Webseiten hostet ihr mittlerweile?

 

Mittlerweile sind es über 4 Millionen Webseiten in über 130 Ländern. Die Kernmärkte sind Europa, Japan, Nord und Südamerika.

 

Homepage erstellen

Wieviele Mitarbeiter seid ihr hier in Hamburg und in der Welt?

 

In Hamburg sind wir ca. 70, in Japan fünf, in China drei, und in San Francisco vier.

 

Vom kleinen Bauernhof zu einem globalen Unternehmen. Das ist eine irre Entwicklung. Wie muss man sich deinen Arbeitsalltag vorstellen. Du sitzt hier gerade im T-Shirt und bist barfuß , bist also nicht den ganzen Tag im Anzug unterwegs, nehme ich an?

 

Nein, sicherlich nicht. Aber wir sind mittlerweile schon öfter unterwegs; vor allem natürlich in Japan und jetzt auch in den USA. Mein Arbeitsalltag sieht eigentlich so aus, dass wir uns regelmäßig mit den Teams zusammensetzen, strukturieren, was wir als nächstes machen und natürlich auch überlegen, wo es mit dem Unternehmen hingehen soll. Ich konkret kümmere mich um das Country- Management, das Online-Marketing und auch um die Finanzen.

 

Besonders gefällt mir bei euch, dass ihr nicht stehen bleibt. Es kommen regelmäßig Verbesserungen und neue Funktionen. Welche neuen Funktionen können Jimdo-User in den nächsten Monaten erwarten? Woran arbeitet ihr zurzeit? Sofern du das erzählen darfst …

 

Es gibt natürlich viele neue, spannende Sachen! (lacht).

 

Konkret kann ich dazu nichts sagen aber es sind viele kleine Sachen in der Pipeline, die den Fluss, eine Webseite einzurichten. einfacher machen. Wir fassen das System immer wieder neu an. Wie gesagt, den Kern des Systems haben Christian und Fridtjof damals Anfang 2004 entwickelt und es ist eigentlich nichts mehr wie es damals war außer dem Grundprinzip der Bedienung. Alles wird immer wieder neu angefasst, einfacher gemacht und besser gestaltet. Wie zum Beispiel der Shop. Der war natürlich eine große Entwicklungsstufe und es ist klar, dass wir den auch weiterentwickeln.

 

Ich persönlich bin mit der Funktionalität von Jimdo sehr zufrieden. Bis auf eine Ausnahme: Die Kommentarfunktion bei Blogartikeln. Stichwort: Keine Emailabfrage und damit auch keine Benachrichtigung über neue Kommentare. Warum ist das so? Kann man damit rechnen, dass ihr das verbessert?

 

Ja, kann man … (lacht)… Ja, das ist so ein typischer Fall wo wir wieder drangehen werden um das zu verbessern. Was man natürlich immer noch als Workaround machen kann, ist externe Kommentarfunktionen zu nutzen, wie beispielsweise Disqus.

 

Für viele User ist das Thema Datenschutz und Datensicherheit sehr wichtig. Wenn ich bei euch eine Webseite einrichte, wo liegt die dann?

 

Für die deutschen Webseiten haben wir in einem deutschen Rechenzentrum mehrere Server angemietet. Die warten wir dann von hier aus. Die Webseiten aus den USA liegen in den USA. Wir haben Server in Deutschland, USA, Japan und China.

 

Was bringt die Zukunft? Wollt ihr beim Webseiten-Editor bleiben oder habt ihr Pläne weitere Geschäftsfelder zu erschließen?

 

Unser Ziel ist es, den Webseitenbau weiterhin so einfach wie möglich zu gestalten. Das wird auch unser Kerngeschäft bleiben. Da gibt es noch eine ganze Menge von Ideen, die wir in dem Bereich umsetzen möchten. Uns geht es darum, Jimdo weiter in den Märkten bekannt zu machen und als einfachste Lösung zu etablieren, sozusagen als Standard für einfache Webseiten. Worauf wir auch weiter sehr viel Wert legen, ist die gute Unternehmenskultur. Und eine hohe Innovationsgeschwindigkeit, mit der wir den Markt auch mitgestalten und selber agieren können.

 

Gibt es Literatur bzw. Medien über Jimdo, die du empfehlen kannst, neben dem Jimdo-Handbuch?

 

Ja, das Jimdo- Handbuch hätte ich jetzt auch genannt.

Svenja: Es gibt noch ein Buch, von Nils Pooker: „Der erfolgreiche Webdesigner“. Das ist allgemein über Webdesign und ein Abschnitt geht über das Jimdo CMS. Dann gibt es noch eins von Jörg Kantel, „Per Anhalter durch das Mitmach-Web“ und natürlich die Tutorials, die wir selber herstellen.

 

Matthias und Svenja, ich danke euch für das Gespräch.

Kommentar schreiben

Kommentare: 1

  • #1

    Maries Homepage (Samstag, 14 Januar 2012 18:09)

    Die Jungs scheinen ja ständig Schaulustige im Büro zu haben ;-)

  • loading