Mi

10

Aug

2011

Virtuelle persönliche Assistenten – Ein Erfahrungsbericht

Über das Konzept des Virtuellen persönlichen Assistenten (VPA) habe ich ja bereits hier berichtet.

 

In meinen Augen gibt es noch viel zu wenige Anbieter auf diesem Markt. Strandschicht.de scheint hoffnungslos ausgebucht zu sein (auf meine Anfrage nach einem VPA bekam ich erst Monate später eine Antwort) und viele andere Anbieter sind entweder Einzelpersonen (deren Zeit begrenzt ist) oder haben Preise jenseits der 20€ bis teilweise 40€ pro Stunde, bei denen man schon ins Grübeln kommt, ob sich das lohnt.

Umso spannender fand ich es, als mich vor gut zwei Wochen Marco Schiesler von eassistentin.de anschrieb und sich mir als VPA-Dienstleister vorstellte. Hauptzielgruppe von eassistentin.de sind Kunden (privat oder geschäftlich), die regelmäßig Unterstützung benötigen ab 15 Std./Monat. Als Kunde bekommt man eine (Haupt-)Assistentin zugewiesen. Die Wahl der Assistentin ist abhängig von den Aufgaben, die hauptsächlich zu erledigen sind. Bei besonderen Anforderungen oder Krankheit/Urlaub der Assistentin kann auch mal eine andere eingesetzt werden.

 

Ich wollte mehr erfahren und habe die Dienste von eassistentin getestet.

eassistentin.de

Zugegeben, die Webseite von eassistentin.de wird sicherlich keinen Design-Award gewinnen und über die Wirkung der Bilder auf der Seite kann man sich auch streiten. Aber darum geht es (mir) ja nicht. Bei einem virtuellen persönlichen Assistent interessiert mich, was er/sie kann, wie schnell er/sie arbeitet und zu welchem Preis ich die Leistung bekomme. Bei eassistentin.de kostet die Stunde 4,99 € (netto). Eine Mindestabnahme gibt es laut Marco Schiesler nicht. Alle Tätigkeiten werden in 15-Minuten-Einheiten nach Aufwand berechnet. Damit liegt eassistentin deutlich unter dem vergleichbaren Tarif von Strandschicht.de (10€/Stunde) und sogar immer noch unter dem 160-Stunden-Paketpreis (6€/Stunde).

Preislich ist eassistentin.de also unschlagbar. Da liegt die Vermutung nahe, dass es sich nicht um hochqualifizierte Muttersprachler mit Sitz in Deutschland handelt. Umso gespannter war ich natürlich, wie die Ergebnisse sein werden. Ich habe u.a. diese Aufgaben gestellt:

 

• Eintragung in Webkataloge

• Eintragung von Daten in eine Datenbank

• Erstellung eines Artikels für ein Artikelverzeichnis

• Markt-Recherche in einem Nischensegment

• Transkription einer Audio-Datei

 

Die Aufgaben habe ich per Mail an Marco Schiesler direkt geschickt. Dieser hat die Aufgabe dann an die Assistentin zur Erledigung weiter geleitet. Das fand ich etwas gewöhnungsbedüftig hat in der Praxis aber gut geklappt.

 

Eintragung in Webkataloge

Hierbei handelt es sich sicherlich um eine der einfachsten Tätigkeiten, bei denen man eigentlich nicht viel falsch machen kann. Für die Eintragung habe ich einen Leitfaden erstellt, der genau erläutert in welchen Kategorien, welche Domain mit welchen Tags und Texten eingetragen werden soll. Ein korrektes Briefing ist übrigens das A und O bei der Delegation von Aufgaben an VPAs. Je besser das Briefing, desto besser können die Ergebnisse werden. Die Ergebnisse sollten in ein Google-Doc Spreadsheet eingetragen werden mit URL des Webkatalogs, Datum des Eintrags und eventuelle Bemerkungen. Diese Aufgabe hat die Assistentin schnell und korrekt zu meiner Zufriedenheit ausgeführt.

Eintragung von Daten in eine Datenbank

 

Bei dieser Aufgabe ging es darum, Adressdaten in eine Datenbank einzutragen. Die Aufgabe wurde fehlerfrei erledigt. Die Assistentin hat mich sogar auf Fehler bzw. fehlende Daten hingewiesen.

 

Erstellung eines Artikels für ein Artikelverzeichnis


Über Artikelverzeichnisse hatte ich ja auch schon mal etwas geschrieben. Diese Aufgabe habe ich gestellt, um die Grenzen der Assistentin zu testen. Die Assistentin hatte die Aufgabe, vier Texte mit ca. 300 Wörtern über ein bestimmtes Thema zu schreiben. Das Ergebnis war zwar besser, als ich erwartet hatte. Man hat aber gemerkt, dass die Texte nicht von einem/einer MuttersprachlerIn verfasst wurden. Da waren teilweise Sätze drin, die ein Muttersprachler so nicht geschrieben hätte. Wenn man aber bedenkt, dass die Texte letztenendes nur als „Kanonenfutter“ für Suchmaschinen gedacht sind, waren die Ergebnisse noch einigermaßen akzeptabel. Texte die man durch einen Artikel-Spinner jagt, sind jedenfalls nicht besser. Auf die Webseiten eines meiner Projekte hätte ich einen solchen Text aber nicht (ohne Korrektur) gestellt. Für die vier Texte hat die Assistentin 3,5 Stunden benötigt. Bei einem Stundenlohn von 5€ pro Stunde, hat das also 17,50 € gekostet. Für den Preis bekommt man natürlich keinen professionellen Texter. Bei Text-Jobbörsen wie textbroker.de liegt man da im Bereich der mittleren Qualitätsstufe. Diese Texte sind zwar inhaltlich und stilistisch auch nicht wirklich anspruchsvoll, aber wahrscheinlich würde ich einen solchen Text vorziehen.

 

Markt-Recherche in einem Nischensegment

 

Bei dieser Aufgabe sollte die Assistentin recherchieren, welche Anbieter es in einem bestimmten Nischen-Segment gibt, wie der Markt sich in wirtschaftlichen Kennzahlen darstellt und welche Trends sich abbilden. Die Assistentin hat für diese Aufgabe drei Stunden benötigt. Das Ergebnis war ein vierseitiges Worddokument, das sich sehen lassen kann. So ziemlich alle Informationen, die ich mir gewünscht habe (im Rahmen des Zeitbudgets) habe ich erhalten. Im Dokument konnte ich mir mit Textauszügen von Webseiten die wichtigsten Aussagen schnell anlesen. Durch Links zu Original-Quellen, Diagrammen und weiterführenden Informationen konnte ich noch weiter in die Tiefe gehen. Die Assistentin hat sogar selbstständig Anbieter angeschrieben um noch weitere Informationen zu erhalten. Hierdurch habe ich ein paar Tage später noch eine Studie erhalten, die nicht im Internet erhältlich ist.

 

Transkription einer Audio-Datei


Für ein Webprojekt habe ich ein Interview geführt. Das Interview habe ich mit der Diktierfunktion des iPhone aufgenommen (echt gute Qualität, übrigens). Die Audio-Datei habe ich an die Assistentin geschickt, damit sie das gesprochene Interview runterschreibt. Für ein siebenminütiges Interview hat sie 45 Minuten gebraucht. Schneller hätte ich das auch nicht gekonnt. Die Transkription hatte bis auf ein paar fehlende Kommas kaum Fehler. Teilweise handelte es sich dabei um Fachbegriffe oder Redewendungen die man (als nicht Muttersprachler) nicht unbedingt kennen muss. Aus einem „Moin, Moin“ wurde z.B. ein „Morjen, morjen“ ;-) .

 

Fazit

Mit den Leistungen der Assistentin war ich sehr zufrieden. Bei dem geringen Preis von 5€ pro Stunde sehe ein sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis.

 

Sicherlich sollte man sich gut überlegen, für welche Tätigkeiten man eine solche Assistentin einsetzt. Insbesondere bei der Erstellung von eigenen Texten ist die Assistentin an ihre Grenzen geraten.

 

Ich werde sicherlich die Dienste von eassistentin.de weiterhin in Anspruch nehmen und wünsche Marco weiterhin viel Erfolg.

Kommentar schreiben

Kommentare: 4

  • JimdoPro
    #1

    Alexander Kerscher (Mittwoch, 10 August 2011 23:41)

    Schöner Artikel über ein Phänomen.

    Ich empfehle auch einen Besuch bei http://www.free-days.de. Ich glaube von diesen virtuellen Multidienstleistungen wird man noch viel mehr hören.

  • #2

    Benjamin (Montag, 28 November 2011 22:10)

    Danke für den Beitrag, ich werde eassistentin.de mal testen!

  • #3

    vao-vpaonline.com (Montag, 16 Januar 2012 23:08)

    Ein toller Artikel und Einblick in die Welt einer solchen Agentur!

    Endlich liest man mehr über das Thema "virtuelle Assistenz" im Internet.

    Wir sind selbst Dienstleister im Bereich der virtuellen persönlichen Assistenz und freuen uns neue Artikel über unsere "Branche" lesen zu können.

    Viele Grüße aus Berlin!

    Ihr Team von VAO

    www.vao-vpaonline.com

  • #4

    Sebastian, München (Donnerstag, 26 Januar 2012 16:04)

    Ich danke dem Schreiber für diesen ausführlichen "Test". eassistentin war mir bisher gänzlich unbekannt, schlechte Erfahrungen hatte ich nur mit einem Unternehmen namens "Strandschicht" gemacht. Aber es kommt wohl darauf an, was man will und was man ausgeben will.

    Wir für unseren Teil haben hingegen sehr gute Erfahrung mit FreeDays gemacht. Sie sind zugegeben etwas teurer als eassistentin, aber die virtuellen Assistenten sind alle deutsche Muttersprachler und das, was an Dienstelistungen angeboten wird, ist sehr umfassend und hochwertig. Hier wird definitiv Qualität geliefert und das Team ist engagiert und nett. All das kann man eben für 5 € auf faire Weise nicht erreichen, meine Meinung! Der Assistent sollte etwas verdienen für seine Arbeit und auch der "Vermittler" muss von etwas leben.

    Grundsätzlich ist zu sagen, dass diese Dienstleistung sicher nicht für jeden Unternehmer etwas ist, man muss ich darauf einlassen wollen. Aber dann kann man mit der Entlastung von unliebsamen Aufgaben sehr zufrieden sein.

  • loading