Virtuelle persönliche Assistenten

Wenn für das eigene Business das Pareto-Prinzip gilt, kann man davon ausgehen, dass 20 % der Arbeit 80 % der Ergebnisse erzielen. Und andersrum: 80 % der Arbeit erzielen nur 20 % der Ergebnisse. Diese Erkenntnis verdeutlicht die Sinnhaftigkeit beziehungsweise Notwendigkeit unwichtige Aufgaben und Routineaufgaben zu delegieren. Da man als Micropreneur keine Angestellten hat, muss man diese Aufgaben outsourcen.

 

Virtuelle persönliche Assistenten (VPA) sind Einzelpersonen oder aber Unternehmen mit mehreren Mitarbeitern, die eine Vielfalt verschiedener Tätigkeiten übernehmen können. Dies können einfache Tätigkeiten wie zum Beispiel die Eintragung in Onlineverzeichnisse zur Suchmaschinenoptimierung, das Recherchieren von Daten aber auch anspruchsvollere Aufgaben wie zum Beispiel die Erstellung von Texten, die Vorbereitung von Präsentationen oder die Auswahl geeigneter Bewerber sein. Virtuelle persönliche Assistenten zu seiner eigenen Entlastung zu nutzen ist ein Trend der aus den USA nach Europa beziehungsweise Deutschland kommt. Dabei wird das Prinzip der Geoarbitrage verwendet – also die Nutzung unterschiedlicher Lohnniveaus und Zeitzonen. Durch die Nutzung virtueller persönlicher Assistenten in Ländern mit einem deutlich geringeren Lohnniveau können Aufgaben zu geringeren Kosten als hierzulande delegiert werden.

 

Das funktioniert in englischsprachigen Ländern besonders gut. Mit Indien steht ein Land mit sehr geringem Lohnniveau und vielen englisch sprechenden Menschen zur Verfügung. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Indien im Bereich der virtuellen persönlichen Assistenten eine Vorreiterrolle einnimmt. So können Kunden aus dem englischsprachigen Raum - insbesondere den USA - das geringe Lohnniveau und den Zeitunterschied nutzen. Ein Kunde der in Los Angeles sitzt, kann nach einem arbeitsreichen Tag mit vielen angefallenen Aufgaben seinen virtuellen persönlichen Assistenten in Indien kontaktieren. Durch den Zeitunterschied von über 13 Stunden ist es bei einer Ortszeit Los Angeles von sagen wir mal 18:00 Uhr in Indien bereits 9:30 Uhr am nächsten Morgen. Das heißt, Während der Kunde aus Los Angeles seinen Feierabend und die Nacht genießt, kann der virtuelle persönliche Assistent in Indien die Aufgaben erledigen. Wenn der Kunde am nächsten Morgen in sein Office kommt, hat er die erledigten Aufgaben in seinem E-Mail Eingang. Der größte Anbieter in diesem Bereich ist das Unternehmen Get Friday. Dieses Unternehmen bietet verschiedene Tarife an vom „Pay as you go“ für 15 $ pro Stunde, bei dem nach tatsächlich angefallener Zeit abgerechnet wird, bis hin zu einem Paket mit 160 Inklusivstunden bei dem die Stunde nur noch sieben Dollar kostet. Seit Juli 2009 ist dieser Dienst auch in Deutsch verfügbar, wobei die Tarife identisch mit denen für den englischsprachigen Dienst sind. Also „Pay as you go“ kostet für deutsche Kunden 15 € pro Stunde. Die Mitarbeiter für deutsche Kunden scheinen ebenfalls in Indien zu sitzen.

 

Der erste Anbieter aus Deutschland war das Unternehmen Strandschicht.de. Dieses junge Berliner Start-Up bietet virtuelle persönliche Assistenten für den deutschsprachigen Raum an. Dabei kommen häufig polnische Mitarbeiter zum Einsatz. So kann das Unternehmen Preise anbieten die sogar noch unter denen von GetFriday liegen. Bei Strandschicht.de liegen die Preise zwischen zehn € pro Stunde (nach tatsächlichem Aufwand) und fünf Euro pro Stunde (bei einem Paket mit 160 Inklusivstunden). Da sich diese Arbeitsweise mittlerweile in Deutschland mehr und mehr durchsetzt, gibt es mittlerweile auch viele Einzelpersonen die sich Freiberuflichen, Festangestellten oder Unternehmen als virtuelle persönliche Assistenten anbieten. Der Nachteil dieser virtuellen persönlichen Assistenten liegt in meinen Augen in der eingeschränkten Erreichbarkeit und der Anfälligkeit für die Wehwehchen eines jeden Menschen, sprich: ein einzelner virtueller persönlicher Assistent muss auch mal schlafen, muss auch mal Urlaub machen, wird auch mal krank und hat wahrscheinlich auch Familie. Bei Unternehmen wie GetFriday oder Strandschicht.de wird mir zwar auch ein Assistent zugewiesen, der mein erster Ansprechpartner ist und der den Großteil meiner Aufgaben übernimmt. In einem Krankheitsfall oder bei Urlaub kann mir aber von dem Unternehmen eine Vertretung zugeteilt werden.